November 2015

© 2014 Holger Albers

November 2015: Der Augenblick des Verharrens


Satzzeichen stellen für viele Menschen eine besondere Herausforderung der Sprache dar. Insbesondere das Komma wir nach Rechtschreibreform und reformierter Reform vielfach nach Gefühl gesetzt. Diese Mischung aus einstmals Erlerntem und am Rande Gehörtem führt aber dennoch oft zu guten Ergebnissen.


Viel einfacher ist es da ja mit dem Punkt, denn seine Funktion ist klar beschrieben: Er beschließt einen Satz. Danach beginnt ein neuer Satz, der sich durch einen Großbuchstaben ankündigt und ganz offensichtlich einen neuen Gedanken bringt. Sprechen wir einen Satz, senken wir zum Ende die Stimme. Beim Lesen signalisiert der Punkt dem Auge und nachfolgend dem Gehirn dieses Ende und bereitet auf den Neuanfang vor.


Und plötzlich das: Mitten im Satz ein Punkt! Der kommt nämlich immer dann ins Spiel, wenn wir eine gebräuchliche Abkürzung wie 'u.a.', 'usw.' oder 'etc.' einstreuen. Inhaltlich sind diese Phrasen meist ohnehin überflüssig, denn sie signalisieren nur, dass die Aufzählung unvollständig ist. Der Schreiber hatte also wahlweise beschränkte Kenntnisse oder keine Lust alles aufzuführen. Was aber in manchen Fällen inhaltlich gerade noch durchgehen kann, ist für den Leser ungünstig. Das Auge bleibt unweigerlich an dem oder den Punkten der Abkürzung hängen, meldet eine Satzende an das Hirn und dieses ist verwirrt, denn nach seinem Empfinden hätte da noch etwas kommen müssen. Im Ergebnis bedeutet dies ein kurzes Verharren oder gar ein nochmaliges Lesen des gleichen Satzes. Da beides eher unglücklich ist und die Freude am Lesen trüben kann, lautet die klare Empfehlung: Wenn es sich partout nicht vermeiden lässt, diese oder ähnlich unbestimmte Wortkonstruktionen zu verwenden, dann schreibe Sie bitte aus - 'zum Beispiel', 'und so weiter'. Das ist zwar länger und mühsamer, aber der Leser hat es leichter.